Das Görülmüştür-Kollektiv ist in sein 17. Jahr eingetreten. Die Initiative, die sich mit den Lebensbedingungen von Gefangenen und insbesondere mit Menschenrechtsverletzungen im Strafvollzug beschäftigt, bezeichnet diesen Jahrestag selbst als „unerwünschtes Jubiläum“. Hintergrund ist die anhaltende Kritik an Zuständen in Gefängnissen, die aus Sicht der Gruppe weiterhin von systematischen Problemen geprägt sind.
Nach Angaben des Kollektivs sehen sich viele Inhaftierte nach wie vor mit Einschränkungen grundlegender Rechte konfrontiert – darunter Isolation, erschwerter Zugang zu Materialien sowie Zensur von Kommunikation. Vor diesem Hintergrund setzt die Initiative ihre Arbeit fort, die weitgehend auf ehrenamtlichem Engagement und der Unterstützung durch Leser*innen basiert.
In den vergangenen Jahren hat das Görülmüştür-Kollektiv eine Vielzahl kultureller und dokumentarischer Projekte umgesetzt. Dazu zählen Ausstellungen mit Werken inhaftierter Künstler*innen, die in verschiedenen Städten der Türkei und Europas gezeigt wurden. Einige dieser Arbeiten wurden auch in Buchform veröffentlicht. Ein Beispiel ist die Präsentation von Werken der Malerin Aynur Epli, die während ihrer langjährigen Haft unter eingeschränkten Bedingungen entstanden sind. Ebenso arbeitete das Kollektiv mit der Redfotoğraf-Gruppe zusammen, um Ausstellungen und Publikationen zu realisieren, die sich mit den Stimmen und Perspektiven von Gefangenen auseinandersetzen.
Darüber hinaus initiiert das Kollektiv regelmäßig thematische Projekte, die sich mit Fragen wie Zensur, Migration, Gewalt oder Erinnerungskultur befassen. Ziel ist es, die Erfahrungen von Inhaftierten öffentlich sichtbar zu machen und gesellschaftliche Debatten anzustoßen.
Auch im Bereich der darstellenden Kunst ist die Initiative aktiv: Ein Theaterstück, das auf Briefen von Gefangenen basiert, wurde sowohl in der Türkei als auch in Deutschland aufgeführt. Nach eigenen Angaben hat sich die Website des Kollektivs zu einer umfangreichen digitalen Sammlung von Gefangenenwerken entwickelt. Zudem organisiert die Initiative den Versand von Büchern und Briefen in Haftanstalten und beteiligt sich an öffentlichen Veranstaltungen, Diskussionen und Festivals. Seit fünf Jahren nehmen sie jährlich mit einer neuen Fotoausstellung am Festival der Solidarität teil und bereichern das Programm mit wechselnden thematischen Schwerpunkten.
Für das laufende Jahr kündigt das Görülmüştür-Kollektiv neue Projekte und eine weitere Ausstellung an. Trotz der langjährigen Arbeit sieht die Initiative keinen Anlass zur Feier: Solange die kritisierten Zustände in Haft fortbestehen, bleibe auch ihre Arbeit notwendig.
Link: https://gorulmustur.org/icerik/istenmeyen-bir-yildonumu-gorulmustur-17-yasinda










