Am 17. April beginnt in Düsseldorf das 3. Kurdische Filmfestival Düsseldorf (DKFF). Über drei Tage hinweg wird die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt zum Treffpunkt für Filmschaffende, Kulturschaffende und die kurdische Diaspora in Europa. Das Festival versteht sich dabei nicht nur als kulturelle Veranstaltung, sondern auch als politischer Raum, in dem die aktuellen Entwicklungen in Kurdistan sichtbar und diskutierbar werden. Austragungsorte sind der UFA-Palast Düsseldorf und das Metropol Kino Düsseldorf. Organisiert wird das Festival vom Si Filmkollektiv e.V. gemeinsam mit engagierten Kulturschaffenden.
Eröffnung mit Film über Krieg, Flucht und Erinnerung
Eröffnet wird das Festival mit der internationalen Premiere von Heval Birako. Der Film von Numan Yiğit und Önder Çakar basiert auf den Aufzeichnungen des kurdischen Journalisten Nazım Daştan. Daştan wurde Ende 2024 bei einem gezielten Drohnenangriff des türkischen Staates in Rojava getötet. Seine Berichte und Notizen bilden die Grundlage für die filmische Erzählung, die die Geschichte eines Geschwisterpaares auf der Flucht vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) nachzeichnet.
Der Film verbindet persönliche Erfahrungen mit der kollektiven Realität von Krieg, Vertreibung und Verlust in der Region. Damit setzt bereits die Eröffnung einen klaren inhaltlichen Schwerpunkt: Das Festival begreift Film nicht als bloße Unterhaltung, sondern als Medium, das politische Gewalt dokumentiert und Erinnerungen bewahrt.
Festival im Schatten regionaler Konflikte
Das diesjährige Programm steht im Kontext tiefgreifender politischer Umbrüche im Nahen Osten. Besonders die Entwicklungen in Iran prägen die Perspektiven vieler Kurd:innen. Während anhaltende Konflikte Hoffnungen auf einen politischen Wandel und ein mögliches Ende des bestehenden Regimes nähren, wächst zugleich die Sorge vor weiterer Eskalation. Für die Kurd:innen in Rojhilat bleibt die Situation von Unsicherheit geprägt. Zwischen möglichen politischen Veränderungen und realer Bedrohung bewegt sich ein Alltag, der weiterhin von Repression und Instabilität bestimmt ist.
Gleichzeitig richtet das Festival den Blick auf Rojava. Die politischen Entwicklungen rund um die dortige Selbstverwaltung werfen grundlegende Fragen auf: Wie stabil sind die bestehenden Strukturen unter dem Druck regionaler und internationaler Akteure? Welche Perspektiven haben die Menschen vor Ort? Und welche Rolle kann kulturelle Produktion in einer Situation spielen, die von militärischen Angriffen und politischer Isolation geprägt ist?
Kino als Raum für Widerstand und Austausch
Vor diesem Hintergrund versteht sich das Kurdische Filmfestival Düsseldorf als mehr als ein klassisches Filmfestival. Es ist ein Ort, an dem kulturelle Praxis und politische Realität aufeinandertreffen. Die Filme des Programms greifen Themen wie Krieg, Flucht, Identität und Erinnerung auf. Sie erzählen von individuellen Schicksalen und kollektiven Erfahrungen, die in internationalen Medien oft marginalisiert bleiben. Gleichzeitig schaffen sie Sichtbarkeit für Stimmen, die unter den Bedingungen von Zensur, Verfolgung oder Exil arbeiten.
Neben den Filmvorführungen bietet das Festival ein umfangreiches Rahmenprogramm. Diskussionsrunden, Vorträge und kulturelle Veranstaltungen eröffnen Räume für Austausch und Reflexion. Dabei geht es nicht nur um filmische Ästhetik, sondern auch um historische Zusammenhänge, gesellschaftliche Entwicklungen und politische Perspektiven.
Diaspora als politischer und kultureller Akteur
Eine zentrale Rolle spielt dabei die kurdische Diaspora in Europa. Das Festival richtet sich bewusst an ein internationales Publikum und versteht sich als inklusiver Raum für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen. Besonders betont wird die Einbindung von Frauen, queeren Menschen, Menschen mit Behinderungen und weiteren marginalisierten Stimmen. In einer Situation, in der viele kurdische Kulturschaffende ihre Arbeit nicht frei in ihren Herkunftsregionen präsentieren können, gewinnt die Diaspora als Ort kultureller Produktion und politischer Artikulation an Bedeutung. Festivals wie das DKFF tragen dazu bei, diese Perspektiven sichtbar zu machen und miteinander zu vernetzen.
Kultur als Antwort auf Unsicherheit
Das 3. Kurdische Filmfestival Düsseldorf findet in einer Zeit statt, die von Unsicherheit, Konflikten und politischen Verschiebungen geprägt ist. Gerade vor diesem Hintergrund wird Kultur hier als aktiver Bestandteil gesellschaftlicher Auseinandersetzung verstanden. Das Kino wird zum Ort, an dem Erfahrungen von Gewalt und Verlust dokumentiert werden, aber auch Räume für Hoffnung, Solidarität und kollektives Nachdenken entstehen. Es bietet die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen, die andernorts verdrängt oder unsichtbar gemacht werden.
Mit dieser Verbindung aus Filmkunst, politischer Einordnung und gesellschaftlichem Dialog setzt das DKFF ein deutliches Zeichen: Kultur ist nicht losgelöst von politischen Realitäten zu verstehen – sie ist Teil davon und kann zugleich ein Mittel sein, diese Realitäten zu hinterfragen und zu verändern. Alle Informationen rund um das Festivalprogramm finden sich auf der Webseite des DKFF: https://dkff.de/
Link dazu: https://deutsch.anf-news.com/kultur/3-kurdische-filmfestival-dusseldorf-startet-51138






