Auf der heutigen 143. Mahnwache am Bahnhofsvorplatz stand erneut die Situation politisch Verfolgter, inhaftierter Journalistinnen und Journalisten sowie unterdrückter gesellschaftlicher Gruppen im Mittelpunkt. Besonders hervorgehoben wurde die aktuelle Repressionswelle gegen Medienschaffende in der Türkei. Dabei wurde auf die Fälle der inhaftierten Journalisten İsmail Arı und Alican Uludağ sowie des Gewerkschafters Mehmet Türkmen aufmerksam gemacht.
Für den Vereinsvorstand sprach Hamide Akbayır. In ihrer Rede betonte sie: „Auch heute richten wir unseren Blick auf die inhaftierten Journalistinnen und Journalisten in der Türkei. Seit unserer letzten Mahnwache ist ein weiterer Name hinzugekommen: İsmail Arı, Journalist der Zeitung BirGün. Er befindet sich seit über einer Woche in Haft. Auf der Polizeiwache wurde er zu Inhalten befragt, die er auf X und YouTube veröffentlicht hatte.“ Damit machte sie deutlich, dass journalistische Arbeit zunehmend kriminalisiert wird und kritische Berichterstattung unter Druck steht.
Einen Schwerpunkt bildete zudem der Fall des britisch-türkischen Staatsbürgers Mert Akbaş, der am 13. März 2026 in Belgrad auf Grundlage eines INTERPOL-Haftbefehls der Türkei festgenommen wurde und sich seither in Haft befindet.
Dazu sprach sein Onkel, Vedat Akter, Mitglied des Landesvorstands NRW der Partei Die Linke. Er schilderte die Hintergründe des Falls und machte deutlich, dass die gegen Mert Akbaş erhobenen Vorwürfe – darunter Terrorismusanschuldigungen – aus Sicht seines Umfelds politisch motiviert und haltlos seien. Akter betonte, dass Mert Akbaş lediglich an genehmigten Demonstrationen für die Rechte von Kurden und anderen diskriminierten Gruppen teilgenommen habe. Im Falle einer Auslieferung in die Türkei drohe ihm eine langjährige Haftstrafe von über zwölf Jahren. Vor diesem Hintergrund forderte er, von einer Auslieferung abzusehen und ihm die Rückkehr nach Großbritannien zu ermöglichen.
Ein weiterer zentraler Punkt der Mahnwache war das Verschwinden der Journalistin Eva Maria Michelmann in Syrien sowie der Fall von Ahmed Polad.
Anna Liedtke von der Initiative „Where is Eva?“ berichtete über den aktuellen Stand und die anhaltende Ungewissheit. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang scharf, dass der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa kürzlich in Berlin empfangen wurde. Eine solche politische Aufwertung sei angesichts der Menschenrechtslage und der ungeklärten Fälle verschwundener Personen nicht hinnehmbar.
Auch Lisa Höchstl, eine Freundin der Mutter von Eva Maria Michelmann, sprach auf der Mahnwache. Sie schilderte eindrücklich die persönliche Situation der Familie sowie die Belastung durch die andauernde Ungewissheit über Evas Verbleib.
Ein internationaler Blick wurde zudem durch den Beitrag von Berit Kranz (SPD, Initiative Städtepartnerschaft Köln–Qamishlo) eingebracht. Sie berichtete von einer Delegation, die kürzlich die Region Rojava besucht hatte. Dabei hob sie insbesondere die Beteiligung kommunaler Politikerinnen und Politiker hervor sowie die Eindrücke aus der Selbstverwaltung vor Ort. Besonders betonte sie die Bedeutung dieser Strukturen für die gesellschaftliche Teilhabe und die Rechte von Frauen.
Während der gesamten Mahnwache wurden Fotos von inhaftierten politischen Gefangenen gezeigt. Damit wurde ein sichtbares Zeichen der Solidarität gesetzt und an die Schicksale der Betroffenen erinnert.
Die Mahnwache machte deutlich: Repression, politische Verfolgung und das Verschwindenlassen von Menschen dürfen nicht unbeachtet bleiben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer forderten Gerechtigkeit, Aufklärung und die Einhaltung grundlegender Menschenrechte.












