Mit einer Mahnwache auf dem Alten Markt (Rathaus) machten am heute mehr als 120 Menschen auf die Verhaftung des Istanbuler Oberbürgermeisters Ekrem Imamoglu aufmerksam. Neben Imamoglu wurden in der Türkei mehr als 100 weitere Personen festgenommen, darunter Bezirksbürgermeister, Geschäftsleute und Journalisten. Die Aktion in Köln wurde von Stimmen der Solidarität – Mahnwache Köln e.V., Tüday, CHP Almanya, TSP, der Föderation der Alevitischen Gemeinde in Deutschland (AABF) sowie dem Kulturforum TürkeiDeutschland organisiert.
Auf der Kundgebung sprachen zahlreiche prominente Vertreterinnen und Vertreter aus der Kölner Kommunalpolitik sowie aus der türkischen und türkischstämmigen Zivilgesellschaft. Mit dabei waren unter anderem Jörg Detjen (Ratsmitglied, Die Linke), Hans Schwanitz (Ratsmitglied, Bündnis 90/Die Grünen), Chantal Schalla (Ratsmitglied, FDP) sowie die Kölner Bürgermeisterin Brigitta von Bülow und Dr. Ralph Elster, Bürgermeister der Stadt Köln. Auch Anke Brunn und Torsten Burmester von der SPD ergriffen das Wort. Burmester, selbst Kandidat für die Kölner Oberbürgermeisterwahl und persönlicher Bekannter Imamoglus, forderte ein deutliches Zeichen der Solidarität mit dem inhaftierten Stadtoberhaupt. İlhan Yıldırım von der CHP Almanya sowie Vertreter der Organisationen Tüday und TSP hielten ebenfalls Redebeiträge.
In ihrer Rede erinnerte Anke Brunn daran, wie wichtig der Protest gegen politische Verhaftungen in der Türkei sei: „Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt, dass es vor allem Kommunalpolitiker trifft. Auch in den kurdischen Gebieten wurden mehrfach Bürgermeisterinnen und Bürgermeister abgesetzt oder verhaftet.“ Brunn mahnte zudem, man dürfe auch nicht die Lage der amtierenden Oberbürgermeisterin von Diyarbakir, Serra Bucak, aus dem Blick verlieren. „Wir hoffen, dass auch sie verschont bleibt“, so Brunn. Berivan Aymaz, Abgeordnete im Landtag NRW, die aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen konnte, begrüßte die Mahnwache ausdrücklich.
Die Rednerinnen und Redner betonten, dass die Solidarität nicht nur Imamoglu gelte, sondern auch anderen Oppositionellen, wie der ehemaligen Vorsitzenden der CHP Istanbul, Canan Kaftancioglu, die mit einem Politikverbot belegt wurde oder auch den gewählten Bürgermeistern und Abgeordneten der HDP wie Figen Yüksekdag, Selahattin Demirtas oder Adnan Selcuk Mizrakli.
Die Mahnwache sendete ein starkes Signal der Unterstützung und des Zusammenhalts über Parteigrenzen hinweg – ein Zeichen dafür, dass der Einsatz für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht an Landesgrenzen endet.