Rund 1.500 Menschen haben am Samstag auf dem Kölner Heumarkt gegen die Festnahme des türkischen Oppositionspolitikers Ekrem İmamoğlu demonstriert. Der Oberbürgermeister von Istanbul und Mitglied der sozialdemokratischen CHP-Partei gilt als einer der wichtigsten politischen Rivalen von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Viele Teilnehmende trugen Protestplakate in verschiedenen Sprachen – darunter Slogans wie „No more silence, no more Erdoğan“ und „Wehrt euch“.
Zu der Kundgebung unter dem Motto „Freiheit für İmamoğlu“ hatte die CHP NRW aufgerufen. Unterstützt wurde der Protest zudem von zahlreichen Vereinen und Organisationen, darunter die Föderation der Alevitischen Gemeinde (AABF), die DIDF, die Türkische Arbeiterpartei (TIP), Tüday sowie unser eigener Verein. Die türkische Oppositionspartei CHP plant, İmamoğlu trotz seiner Inhaftierung am Sonntag offiziell zu ihrem Präsidentschaftskandidaten zu ernennen. Ihm werden von türkischen Behörden Korruption und Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen – Vorwürfe, die İmamoğlu selbst entschieden zurückweist. Er spricht von einem „politischen Putsch“ gegen die Opposition.
Auf der Kundgebung haben Vertreter*innen der CHP, Alevitischen Gemeinde sowie viele weiteren Organisatoren gesprochen. Dr. Lale Akgün, SPD-Politikerin und ehemalige Bundestagsabgeordnete, kritisierte die Spaltung der Türkei unter Erdoğan: „Er hat die Türkei in zwei Lager geteilt – in die Anhänger, die ‚Taraftar‘, denen es gut geht, und in die Oppositionellen, die ‚Karşıtlar‘, für die es keine Gerechtigkeit mehr gibt.“ Sie warnte davor, dass die demokratischen Grundlagen in der Türkei immer mehr untergraben würden: „Sie haben vergessen, dass Demokratie vom Wechsel lebt – und Ekrem İmamoğlu steht für diesen Wechsel.“
Jörg Detjen von der Ratsfraktion Die Linke äußerte sich ebenfalls scharf gegen Erdoğan: „Der Tyrann Erdoğan bereitet einen großen Krieg vor und arbeitet mit Dschihadisten zusammen, um seine territorialen Ambitionen in Syrien voranzutreiben.“ Detjen warf der internationalen Gemeinschaft vor, zu wenig zu unternehmen: „Die EU und die NATO lassen Erdoğan gewähren – das dürfen wir uns nicht gefallen lassen!“. Auch alevitische Verbände in Deutschland warfen Erdoğan und dem Emir von Katar „Mitschuld“ an einem „Völkermord“ in Syrien vor.
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