Das 7. Festival der Solidarität findet vom 22. bis 25. Oktober 2026 in Köln statt und ist bundesweit zu einer wichtigen Plattform für den Austausch über Menschenrechte sowie für Solidaritätsarbeit mit politischen Gefangenen und Verfolgten geworden.
Vor dem Hintergrund weltweit zunehmender Kriege und Konflikte – insbesondere in Ländern wie Syrien und dem Iran sowie dem sogenannten Friedensprozess in der Türkei – steht das diesjährige Festival unter dem Schwerpunkt „Frieden“. Frieden ist eine grundlegende Voraussetzung für ein respektvolles Zusammenleben, für gelebte Vielfalt, den Schutz der Menschenrechte und eine lebendige Demokratie.
Das Festival schafft Raum für Begegnung und Dialog – zwischen Betroffenen und Angehörigen ebenso wie zwischen engagierten Menschenrechtsaktivist:innen aus ganz Deutschland. Es versteht sich als Ort des Austauschs, der Vernetzung und der gemeinsamen Suche nach Perspektiven für eine gerechtere und friedlichere Zukunft. Der Kölner Oberbürgermeister Thorsten Burmester hat die Schirmherrschaft für das Festival übernommen.
22. OKTOBER – 18:00 UHR – BÜRGERHAUS MÜLHEIM (MüZe) – ERÖFFNUNG
Das Festival wird bereits um 18:00 Uhr mit einem feierlichen Eröffnungsprogramm im Bürgerhaus Mülheim (MüZe) eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Vereinsvorstand wird Derya Karadağ, Bürgermeisterin der Stadt Köln, ein Grußwort an die Gäste richten. Auch Prof. Dr. Kemal Bozay, Leiter des Bürgerhauses Mülheim, wird als Gast des Festivals ein Grußwort sprechen. Gemeinsam eröffnen sie das 7. Festival der Solidarität, das in diesem Jahr unter dem Leitthema „Frieden“ steht.
22. OKTOBER – 19:00 UHR – BÜRGERHAUS MÜLHEIM (MÜZE) – LESUNG MIT İLHAN SAMI ÇOMAK
Wie übersteht man 30 Jahre Gefängnis – unschuldig verurteilt und Opfer eines Justizskandals? Die Antwort des Lyrikers İlhan Sami Çomak lautet: mit Literatur. Genauer gesagt: mit Poesie. İlhan Sami Çomak wurde im Alter von 21 Jahren in der Türkei inhaftiert und verbrachte drei Jahrzehnte im Gefängnis. Trotz dieser extremen Lebensumstände entstand ein beeindruckendes literarisches Werk: zehn Gedichtbände – neun auf Türkisch, einer auf Kurdisch –, eine Autobiografie sowie ein Theaterstück. Bemerkenswert ist, dass das Gefängnis in seiner Lyrik kaum eine Rolle spielt. Stattdessen zeugen seine Texte von einer poetischen Kraft, die sich über äußere Einschränkungen hinwegsetzt. In seinen eigenen Worten: „Dichter zu sein heißt vor allem: beharrlich darum zu ringen, die Bedingungen, denen man unterworfen ist, zu überschreiten.“
Çomak ist Mitglied des türkischen und kurdischen PEN sowie Ehrenmitglied der PEN-Zentren Norwegen, Irland und Wales. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Im November 2024 wurde İlhan Sami Çomak nach 30 Jahren Haft entlassen. Mit dem Band „Bring mich fort aus dieser Stille“ liegt nun erstmals eine Auswahl seiner kurdischen und türkischen Gedichte in deutscher Übersetzung vor – ein bewegendes Zeugnis literarischer Widerstandskraft und menschlicher Stärke.
Moderation: Angela Spizig, Kulturmoderatorin und Bürgermeisterin der Stadt Köln von 2000 bis 2014. Die Lesung wird simultan durch Çiler Fırtına übersetzt. Funkkopfhörer stehen für die Übersetzung zur Verfügung.
23. OKTOBER – 20:00 UHR – KULTURBUNKER – KONZERT MIT UDI YERVANT UND COLLECTIF MEDZ BAZAR
Der virtuose Oud-Spieler, Sänger und Komponist Udi Yervant Bostancı entführt sein Publikum in eine vielschichtige Klangwelt zwischen Tradition und Gegenwart. Geboren in Diyarbakır, ausgebildet in Istanbul und geprägt durch internationale Auftritte bis nach Los Angeles, verbindet er in seiner Musik armenische, kurdische und türkische Einflüsse zu einer berührenden Erzählung von Heimat, Migration und kultureller Vielfalt. Seine warme, ausdrucksstarke Stimme und sein meisterhaftes Oud-Spiel schaffen Momente, die Grenzen überwinden und tief unter die Haut gehen.
Im Anschluss präsentiert sich das Collectif Medz Bazar – eine Urban-Diaspora-Band, deren Mitglieder armenische und türkische Wurzeln vereinen. Ausgehend von traditionellen Musikformen und inspiriert von benachbarten Kulturen entwickelt das Kollektiv eigenständige Arrangements und Kompositionen von beeindruckender stilistischer Offenheit. Ihre Musik bewegt sich zwischen kleinasiatischer und iranischer Volksmusik, kaukasischem Rabiz, thrakischen Rhythmen sowie Einflüssen aus Hip-Hop, Jazz, Operette und Bluegrass.
Zwei eigenständige Konzerte an einem Abend – verbunden durch die Kraft der Musik, kulturelle Grenzen zu überschreiten und neue Klangräume zu eröffnen.
24. OKTOBER – 13:00 UHR – BÜRGERZENTRUM EHRENFELD
ERÖFFNUNG DER FOTOAUSSTELLUNG „HEIMATLOS: ZWİSCHEN MİGRATİON UND EXİL“ MIT DEM KURATOR ADIL OKAY
Die Ausstellung „Heimatlos: Zwischen Migration und Exil“ widmet sich den vielschichtigen Erfahrungen von Entwurzelung, Verlust und Zugehörigkeit. Sie macht sichtbar, wie Migration nicht nur geografische, sondern auch existenzielle Brüche hinterlässt, und verbindet politische Realität mit poetischen Ausdrucksformen. Bilder, Texte und visuelle Fragmente erzählen von Flucht, Erinnerung und Widerstand – und von der Suche nach einer neuen Sprache im Exil.
Die Ausstellung wurde vom Görülmüştür Kolektifi und der Redfotoğraf Grubu mit Unterstützung von Karşı Sanat Çalışmaları realisiert. Beiträge stammen unter anderem von inhaftierten Autor:innen, Dichter:innen und Künstler:innen wie Bülent Parmaksız, Ercüment Akdeniz, Elif Can, Mehmet Boğatekin und Sami Özbil.
Der Kurator Adil Okay wird im Rahmen des Festivals anwesend sein.
24. OKTOBER – 14:00 UHR – DISKUSSIONSRUNDE „FRIEDEN IM NAHEN OSTEN – Deutsche Politik zwischen Verantwortung, Kritik und Handlungsspielräumen“
Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt und wirft drängende Fragen nach der Rolle deutscher Außenpolitik, internationaler Verantwortung und wirksamen politischen Handlungsoptionen auf. In dieser Diskussionsrunde werden unterschiedliche Positionen aus Politik und Zivilgesellschaft kritisch beleuchtet und auf konkrete Lösungsansätze hin befragt. Im Zentrum steht die Frage, welche politischen Entscheidungen in Deutschland getroffen werden (oder ausbleiben) und wie diese sich auf Friedensperspektiven, Menschenrechte und humanitäre Situationen in der Region auswirken.
Als Gäste auf dem Podium begrüßen wir Max Lucks (MdB-Bündnis90/Die Grünen), Lea Reisner (MdB- Die Linke) und Carolin Kirsch (MdL- SPD) sowie die Aktivistin Mariam Claren (Hawar Help). Die Diskussion wird von Prof. Dr. Kemal Bozay moderiert.
24. OKTOBER – 18:00 UHR – PODIUMSDISKUSSION – „Die Situation der Menschenrechte und der Stand des Friedensprozesses in der Türkei“
Die Menschenrechtslage in der Türkei ist weiterhin durch erhebliche Einschränkungen grundlegender Freiheitsrechte geprägt. Besonders Journalist:innen stehen unterzunehmendem Druck durch Verhaftungen und politische Verfahren. Auch gewählte Abgeordnete und Bürgermeister:innen sind von Repressionen betroffen, während kritische Stimmen in vielen Bereichen der Gesellschaft weiter eingeschränkt werden.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen neben der aktuellen Menschenrechtssituation insbesondere der Stand des Friedensprozesses in der Türkei. Gemeinsam mit der Rechtsanwältin Meral Hanyabat Yeşil und Gamze Yentür sowie den DEM-Abgeordneten Kamuran Tanhan beleuchten wir die Entwicklungen im Journalismus, in der Zivilgesellschaft und in weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Die Moderation übernimmt Dr. Melek Zorlu.
25. OKTOBER – 13:00 UHR – „KRISENREGIONEN AUS ERSTER HAND – Kritischer Journalismus und Menschenrechtsarbeit im Nahen Osten“
Zur aktuellen Situation in Afghanistan, Iran sowie Syrien/Rojava diskutieren Menschenrechtsaktivist:innen, Journalist:innen und politische Vertreter:innen aus dem Bundestag. Im Fokus stehen kritischer Journalismus, Reise- und Erfahrungsberichte aus den Krisengebieten sowie Perspektiven für Frieden und die Rolle der Zivilgesellschaft. Als Gäste sind unter anderem Sadaf Zahedi (Autorin und Aktivistin), Dr. Kamal Sido (GfbV), der Journalist Jan Jessen, die Journalistin Eva-Maria Michelmann sowie Gönül Eglence (MdL-Bündnis90/Die Grünen) eingeladen. Die Moderation übernimmt Said Boluri.
25. OKTOBER – 16:00 UHR – LESUNG MIT ADIL OKAY
Neben seinem Engagement für Menschenrechte ist der Künstler Adil Okay vor allem auch für seine Bücher und Gedichte bekannt. Als Schriftsteller und Dichter ist er ein vielseitiger Künstler, dessen Schaffen sich von der Lyrik über den Roman bis hin zum Theater und zur Fotografie erstreckt und der darin den Spuren von Exil, Erinnerung und Freiheit nachgeht. Aus politischen Gründen verbrachte Okay zwanzig Jahre seines Lebens im Exil; seine Gedichte reichen von persönlicher Erinnerung bis hin zu einer universellen menschlichen Erfahrung. Bekannt durch seine Gefängnisbriefe und seine Arbeiten im Bereich der Meinungsfreiheit, koordiniert Adil Okay seit der Gründung das Kollektiv „Görülmüştür“. In dieser Veranstaltung wird er die Spuren des Exils in der Dichtung sowie die grenzüberschreitende Kraft der Literatur beleuchten und Beispiele aus seinen Gedichten vortragen. Der Autor, von dem bisher 23 Bücher veröffentlicht wurden, setzt seine künstlerische Arbeit in verschiedenen Disziplinen fort.
25. OKTOBER – 17:00 UHR – KLANGWELTEN MIT IRMAK KARACA
Den feierlichen Abschluss unseres Festivals bildet ein besonderer musikalischer Abend mit Livemusik von Irmak Karaca.
Irmak Karaca begleitet sich selbst an der Akustikgitarre und interpretiert sowohl eigene Songs als auch ausgewählte Stücke aus verschiedenen Genres – gefühlvoll, vielseitig und mit einer ganz eigenen Note. Begleitet von weiteren musikalischen Klängen entsteht eine atmosphärische Mischung aus unterschiedlichen musikalischen Einflüssen, die zum Zuhören, Genießen und Verweilen einlädt.
So klingt der letzte Festivalabend in entspannter und zugleich bewegender Atmosphäre aus.












