Mit Diskussionen über den Friedensprozess in der Türkei, die Konflikte im Nahen Osten und die Verantwortung deutscher Politik sowie einem vielfältigen Kulturprogramm ist am Sonntag in Köln das 7. Solidaritätsfestival zu Ende gegangen. Unter dem Leitthema „Frieden“ brachte die vom Verein Stimmen der Solidarität organisierte Veranstaltung vom 22. bis 25. Oktober Politiker:innen, Journalist:innen, Menschenrechtsverteidiger:innen und Kulturschaffende zusammen. Literatur, Musik und Fotografie bildeten dabei ebenso einen Schwerpunkt wie die Auseinandersetzung mit Krieg, Vertreibung und politischer Repression.
Eröffnet wurde das Festival am Donnerstag im Bürgerhaus MüZe in Köln-Mülheim vor mehr als 120 Gästen. Georg Krautkrämer sprach für den Veranstalterverein, Prof. Dr. Kemal Bozay für das Bürgerhaus. Auch die Vizepräsidentin des nordrhein-westfälischen Landtags, Berivan Aymaz, und Kölns Bürgermeisterin Derya Karadağ richteten Grußworte an die Anwesenden. Im Mittelpunkt stand ein Friedensverständnis, das über das Ende bewaffneter Konflikte hinausgeht und Gerechtigkeit, Menschenrechte und gesellschaftlichen Dialog einschließt.
Literatur und Musik als Ausdruck von Widerstand und Erinnerung
Den literarischen Auftakt gestaltete der kurdische Dichter Ilhan Sami Çomak, der mehr als drei Jahrzehnte in türkischen Gefängnissen verbracht hat. Im Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin und ehemaligen Kölner Bürgermeisterin Angela Spizig sprach er über seine Haftzeit, sein Schreiben und die Bedeutung von Poesie unter Bedingungen politischer Unterdrückung. Çiler Fırtına übernahm die deutsche Übersetzung.
Am Freitag rückte die Musik in den Mittelpunkt. Im Kulturbunker Köln traten der Musiker Udi Yervant und das Collectif Medz Bazar vor rund 150 Besucher:innen auf. Während Udi Yervant traditionelle Melodien auf der Oud interpretierte, verband das Collectif Medz Bazar musikalische Traditionen unterschiedlicher Regionen mit zeitgenössischen Arrangements. Zum Abschluss standen beide gemeinsam auf der Bühne.
„Heimatlos“: Fotografien zwischen Migration und Exil
Mit der Ausstellung „Heimatlos: Zwischen Migration und Exil“ eröffnete das Festival am Samstag einen weiteren künstlerischen Schwerpunkt. Die vom Görülmüştür-Kollektiv und der Gruppe Red Fotoğraf mit Unterstützung von Karşı – Initiative für Kunst und Kultur vorbereitete Ausstellung beschäftigt sich mit Flucht, Vertreibung, Verlust, Zugehörigkeit und Erinnerung. Kurator Adil Okay verwies bei der Eröffnung auf die Bedeutung künstlerischer Arbeit für die Solidarität mit politischen Gefangenen. Zu sehen waren auch Werke inhaftierter Schriftsteller:innen, Dichter:innen und Künstler:innen. Adil Demirci, Vorsitzender des Vereins Stimmen der Solidarität, dankte den beteiligten Kollektiven und erinnerte an die jährliche Postkartenkampagne des Vereins, mit der politische Gefangene unterstützt werdenç
Deutschlands Verantwortung und der Friedensprozess in der Türkei
In den politischen Gesprächsrunden standen die Entwicklungen im Nahen Osten und die Handlungsmöglichkeiten deutscher Politik im Mittelpunkt. Über „Frieden im Nahen Osten: Deutschlands Verantwortung, Kritik und politische Handlungsspielräume“ diskutierten die Bundestagsabgeordneten Max Lucks (Grüne) und Lea Reisner (Die Linke), die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Carolin Kirsch (SPD) sowie Mariam Claren von der Menschenrechtsorganisation hawar.help. Moderiert wurde die Runde von Kemal Bozay.
Die Diskussion behandelte die deutsche Außenpolitik gegenüber Israel, Palästina, Iran, Syrien und der Türkei. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den politischen und gesellschaftlichen Bewegungen in Iran sowie ihren Forderungen und Zukunftsperspektiven.
Ein weiteres Podium widmete sich dem Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft in der Türkei. Der Journalist Faik Bulut, die Rechtsanwältin Meral Hanbayat Yeşil und der DEM-Abgeordnete Kamuran Tanhan diskutierten unter der Moderation von Uğur Yeşiltepe über die Perspektiven einer politischen Lösung der kurdischen Frage und die anhaltenden Repressionen gegen Oppositionelle, soziale Bewegungen und Menschenrechtsverteidiger. In der anschließenden Fragerunde beteiligte sich auch das Publikum an der Debatte über demokratische Rechte und die Voraussetzungen eines dauerhaften Friedens.
Journalismus unter Kriegs- und Krisenbedingungen
Am letzten Festivaltag rückten die Erfahrungen von Journalist:innen und Menschenrechtsaktivist:innen in Konfliktregionen in den Vordergrund. Unter dem Titel „Krisenregionen aus erster Hand: Kritischer Journalismus und Menschenrechtsarbeit im Nahen Osten“ diskutierten die afghanische Journalistin und Aktivistin Sadaf Zahedi, die in Syrien inhaftiert gewesene Journalistin Eva-Maria Michelmann und die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Gönül Eğlence. Die Moderation übernahm Said Boluri vom Verein Stimmen der Solidarität.
Die Gesprächsteilnehmerinnen berichteten über die Schwierigkeiten unabhängiger Berichterstattung in Kriegs- und Krisengebieten. Dabei ging es insbesondere um die Sicherheit von Journalist:innen, den Zugang zu verlässlichen Informationen und die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen.
Den kulturellen Abschluss gestalteten der Schriftsteller und Menschenrechtsverteidiger Adil Okay mit einer Lesung eigener Gedichte sowie die Musiker Irmak Karaca, Dilvan Ronî und Samson Kidane. Mit ihren Liedern und Texten griffen sie die Themen Frieden, Erinnerung und Solidarität auf, die das viertägige Festival geprägt hatten.
Quelle: https://deutsch.anf-news.com/kultur/festival-der-solidaritat-in-koln-stimmen-fur-frieden-freiheit-und-menschenrechte-53287























